Geistige Zentren Das Wissen der Welt im Kloster

Klöster waren Orte des Glaubens und Gebets, aber auch der Bildung und Wissenschaft. Im 17. und 18. Jahrhundert legten Mönche naturwissenschaftliche Lehrsammlungen an. Die Klosterbibliotheken wurden zu Festsälen des Wissens wie im Kloster Schussenried. Damit bündelten die Mönche das Wissen der Welt.

Kloster Schussenried, Bibliothekssaal.

Die Säkularisation bedeutete oftmals das Ende für die Klosterbibliotheken.

WISSEN UND WEISHEIT

Hinter den dicken Klostermauern widmeten sich die Mönche in Ruhe und Abgeschiedenheit ihrem Glauben – und dem wissenschaftlichen Studium. Klöster waren nämlich nicht nur religiöse Zentren, sondern auch Orte der Bildung und Forschung. Die Geistlichen setzten sich intensiv mit Theologie und Wissenschaft auseinander. Die Bibliotheken wurden zum „Sedes sapientiae“, zum Sitz der Weisheit. So lautete die programmatische Inschrift an der Westseite der Bibliothek des Barockklosters.

Kloster Schussenried, Darstellung des Elements Erde an der Unterseite der Bibliotheksgalerie.

Darstellung des Elements Erde an der Unterseite der Bibliotheksgalerie.

ERFORSCHUNG DER ERDE

Das Bildprogramm an der Decke der Bibliotheksgalerie des Klosters Schussenried zeigt die vier Elemente: Durch Technik und Wissen machte sich der Mensch Feuer, Erde, Luft und Wasser zunutze. Das Elemente Erde wird als Globus dargestellt. Dieser zählte damals zu den neuesten Medien der Wissenschaft. Um den Globus herum stehen zwei Gelehrte und diskutieren. Links neben ihnen ist ein Bücherregal zu sehen. Davor sitzt ein Mann in asiatisch anmutendem Gewand – ein Verweis auf den fernöstlichen Glauben?

Kloster Schussenried, Naturaliensammlung

Das Klostermuseum Schussenried gibt Einblick in den Studienbetrieb der Mönche.

DAS STUDIUM DER NATUR

Im 17. und 18. Jahrhundert legten Geistliche Lehrsammlungen an. Exotisches aus fernen Ländern und vielfältiges Wissen gelangten so aus aller Welt in die Klöster. Die bunten und formenreichen Muscheln, Schnecken und Mineralien untersuchte man mit wissenschaftlichen Instrumenten. Zu den Objekten besaßen die Klosterbibliotheken die neueste Literatur: In Schussenried umfasste sie 15.000 Bände. Sammlungen, wie die der Fürstbischöfe von Konstanz im Neuen Schloss Meersburg, waren ein beliebtes Reiseziel.

Kloster Ochsenhausen, Innenansicht, Azimutalquadrant in der Sternenwarte

Mit dem Azimutalquadrant ließ sich die Position von Sternen bestimmen.

ASTRONOMIE IN OCHSENHAUSEN

Wie Kloster Schussenried war auch Kloster Ochsenhausen ein Hort der Wissenschaft. Abt Romuald Weltin (1767‒1805) scheute keine Kosten: Er ließ die naturwissenschaftliche Instrumentensammlung und die Bibliothek aufwändig renovieren. 1789 kaufte er zusätzlich rund 9.000 Bücher an. Mit 8.914 Gulden unterstützte er außerdem einen seiner Mönche. Basilius Perger errichtete in Ochsenhausen eine der größten Sternwarten ihrer Zeit. Ein Glaubensbruder beschrieb ihn als „gelehrten Astronomen und Mechanikus“.

Bibliothekssaal im Kloster und Schloss Salem.

Naturwissenschaft und Technik genossen hohes Ansehen unter den Mönchen.

EINE WISSENSCHAFTLICHE UNIVERSALBIBLIOTHEK

Auch die Bibliothek von Kloster Salem war im 18. Jahrhundert überregional bekannt. Sie galt als Zentrum der Wissenschaft und zog zahlreiche Nutzer von außerhalb an. Abt Robert Schlecht (1778‒1802) ließ den Bibliothekssaal klassizistisch umgestalten. Dabei erhielt die Bibliothek eine neue Ordnung: In Salem sollte eine enzyklopädisch ausgerichtete Universalbibliothek aller Wissenschaften entstehen. Bis zur Auflösung des Klosters nach 1800 sammelten die Mönche die neueste Literatur der Zeit.

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