Verteidigung des Glaubens Fremde „Irrlehren“

Der Bibliothekssaal war eine Welt des Wissens und ‒ als repräsentativer Festsaal ‒ der Stolz der Chorherren. Das Bildprogramm verherrlichte die göttliche Weisheit, die anderen Glaubensrichtungen überlegen war. Als „Irrglaube“ galt etwa der Islam.

Kloster Schussenried, Detail Kirchenvater im Bibliothekssaal

Eine Alabasterstuckfigur steht für den katholischen Glauben.

Lebensgroße Wächter des Glaubens

Der Bibliothekssaal wurde als prächtiger Raum mit einer umlaufenden Empore ausgestattet. 1766 vollendete der Stuckateur Fidelis Sporer 24 lebensgroße Figuren aus Alabaster: Sie stehen vor den Doppelsäulen aus rötlichem Stuckmarmor. Acht Skulpturen symbolisieren den katholischen Glauben: Es sind Kirchenlehrer, bedeutende geistliche Autoritäten. Sie verteidigen die katholische Lehre sinnbildlich gegen das Ketzertum und Häresien, die von der Kirchenmeinung abweichende Lehren wie den Islam.

Kloster Schussenried, Bibliothekssaal

Der Bibliothekssaal war eine Welt des Wissens und der Stolz der Chorherren.

Verteidigung gegen den Islam

Die sogenannten „Irrlehren“ stehen den lebensgroßen Kirchenlehrern gegenüber: Jede Irrlehre wird durch zwei Putti dargestellt. Die verschiedenen Größen der Figuren stehen für die Bedeutung des jeweiligen Glaubens: Die Putten sind kleiner und damit den Kirchenlehrern unterlegen. Den Islam verkörpern zwei Putten mit Krummsäbel und Turban, typische Attribute der Osmanen. Noch 1683 belagerten die Osmanen Wien. In den Augen der Kirche stellten sie noch eine Gefahr da, gegen die ihr Glaube verteidigt werden musste.

Kloster Schussenried, Detail, Lutheraner und Calvinisten im Bibliothekssaal

Die Calvinisten erkennt man an ihren Halskrausen.

Fremde aus Europa und der ganzen Welt

Andere fremde Religionen und Glaubensrichtungen, gegen die man sich ‒ bildlich gesprochen ‒ zur Wehr setzen wollte, sind das Judentum, die Lutheraner und die Calvinisten. Als fremd und falsch galten weiterhin die Aufklärer, Utraquisten (eine Partei der Hussiten), Freimaurer, Epikuräer und Pneumatomachen (griechisch für „Bekämpfer des Heiligen Geistes“). Wenn man genau hinsieht, stellt man fest, dass alle „Ketzer“ in Mimik und Gestik verzweifelt wirken, als wären sie gegen den katholischen Glauben chancenlos.

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