Besucher bestaunen die filigranen Figuren, die den Bibliothekssaal von Kloster Schussenried schmücken

Von der Romanik zum Barock

Stilgeschichte

Schussenried gehört zu den Klöstern in Oberschwaben, die in der Barockzeit ihre Gebäude modernisiert oder neu gebaut haben – das Kloster erscheint auf den ersten Blick als Bauwerk des Barock. Doch in der Kirche verbirgt sich unter Stuck und Malereien die mittelalterliche Struktur.

Pfarrkirche St. Magnus in Kloster Schussenried, Blick vom Mittelschiff ins linke Seitenschiff

Romanische Rundbögen teilen den Innenraum.

Spätromanik

Um 1200 errichtet, besitzt die Kirche typische Merkmale der Romanik. Dazu gehören die Rundbogenpfeiler sowie der Bautyp der Basilika. Dabei handelt es sich um eine Kirche, die durch Säulen- oder Pfeilerreihen in drei oder mehr Längsschiffe geteilt ist, wobei das mittlere deutlich höher ist als die seitlichen, sodass im Mittelschiff eine hochgelegene Fensterzone entsteht.

Wandfresko mit einer Darstellung der gotischen Kirche im Kreuzgang des Klosters Schussenried, um 1500

Die gotische Kirche in einem Wandfresko, ca. 1500.

Spätgotik

1482 ließ Abt Heinrich Österreicher der Kirche einen schlossartigen Vorbau anbauen, der aus einer Kirchenvorhalle mit Kreuzgratgewölben und darüberliegenden Amtsräumen bestand. 1494 folgte der Mönchschor mit spitzbogigem Gewölbe und Buntglasfenstern. Ein spätgotisches Wandfresko über dem spätromanischen Kreuzgangportal zeigt den Turm mit dem spätgotischen Aufsatz und einem steilen Turmhelm.

Turm der katholischen Pfarrkirche St. Magnus im Kloster Schussenried

Eine barocke Zwiebelhaube schmückt den Turm.

Frühbarock

1622 erhielt der gotische Glockenturm von St. Magnus einen Achteckaufbau. Die Bekrönung mit einer sogenannten Zwiebel war damals ein Bekenntnis zur katholischen Kirche. Im Dreißigjährigen Krieg kam jegliche Bautätigkeit zum Erliegen, erst nach Kriegsende 1648 konnten die Gebäude wieder hergestellt werden.

Chor mit Chorgestühl in der Pfarrkirche St. Magnus von Kloster Schussenried

Das reich verzierte Chorgestühl der Klosterkirche.

Hochbarock

Pläne des Vorarlberger Baumeisters Christian Thumb zum Neubau der Klosteranlage gab es um 1700. Daraus wurde zunächst nichts. Zwischen 1715 und 1717 entstand das hochbarocke, mit Figuren und Ornamenten reichverzierte Chorgestühl der Magnuskirche aus der Überlinger Werkstatt von Georg Anton Machein (1685–1739), ein Meisterwerk des oberschwäbischen Barock.

Türkengruppe an Säule im Bibliothekssaal von Kloster Schussenried

Die Türkengruppe aus Stuck im Bibliothekssaal.

Spätbarock und Rokoko

1749 beschloss das Kloster einen Neubau der Konventgebäude. Basis war der Entwurf von Dominikus Zimmermann, die Ausführung übernahm der Schussenrieder Baumeister Jakob Emele. Der mächtige Klostertrakt war so geplant, dass er die Kirche – wie im Barock üblich –symmetrisch umschließen sollte. Realisiert wurde jedoch nur etwa ein Drittel. Glücklicherweise gehört dazu der Bibliothekssaal, ein typisch barockes Gesamtkunstwerk aus Architektur, Skulptur, Stuck und Malerei.

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