Historische Ansicht von Kloster Schussenried, Gemälde von 1721 im Klostermuseum; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

GEMEINSCHAFT ARISTOKRATISCHER CHORHERREN

DIE PRÄMONSTRATENSER

Die Prämonstratenser sind bis heute der größte Orden römisch-katholischer Chorherren. Im Gegensatz zu anderen Orden sind sie geweihte Priester und keine Mönche. Trotzdem leben die Mitglieder nach strengen Regeln und legen ein Gelübde ab. Anfangs lebten Frauen und Männer in Doppelklöstern.

Norbert von Xanten erhält die Regeln vom heiligen Augustinus; Foto: wikipedia_gemeinfrei

Norbert von Xanten erhält die Regeln vom heiligen Augustinus.

NACH DEN REGELN DES AUGUSTINUS

Norbert von Xanten, ein Wanderprediger aus altem Adel stammend, gründete im 12. Jahrhundert den Orden in Prémontré in Frankreich. Auf diesen Ort geht der Name Prämonstratenser zurück. Die Lebensweise in der Gemeinschaft der Chorherren unterschied sich nur geringfügig von der anderer Orden. Sie unterwarfen sich den strengen Regeln des heiligen Augustinus. Hier standen Armut, Enthaltsamkeit und Gehorsam im Vordergrund. Aber auch Selbstlosigkeit und die Bereitschaft zur Mission wurden gefordert.

Klosterruine Allerheiligen; Foto: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Freiburg

Lange Zeit Klosterschule: Allerheiligen.

CARITAS UND CONTEMPLATIO

Der Alltag der Prämonstratenser war durch Stundengebete, Lesungen und gemeinsames Essen im Refektorium geregelt. Einen bedeutenden Teil ihrer Zeit verbrachten die Chorherren zudem mit nach außen gerichteter Seelsorge, karitativen Handlungen und Missionsarbeit. Die Prämonstratenser lebten nicht abgeschieden von der Welt oder als Eremiten. Oft war den Klöstern auch eine Schule angeschlossen und die Ordensmitglieder waren als Lehrer und Priester in den Dörfern der Umgebung tätig.

Kloster Schussenried; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Früher von großen Ländereien umgeben: Kloster Schussenried.

ZU VIELE ARISTOKRATEN

Gestiftet wurden die Klöster der Prämonstratenser oft von adligen Familien. Hiermit verbunden waren meist enorme Ländereien. Auch Edeldamen mit großer Mitgift traten dem Orden bei. Für das Bewirtschaften des Landes konnten die aristokratischen Mitglieder kaum aufkommen. Dafür waren die Laienbrüdern zuständig: Diese illiterati, also Ungebildeten, stammten meistens aus der Unterschicht und waren des Lesens und Schreibens nicht mächtig. Sie kümmerten sich um den Ackerbau und die Viehzucht.

Bücherschrank in Kloster Schussenried; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Bekannt für ihre Schriften: die Prämonstratenser.

BIBELN, BÜCHER, BIBLIOTHEKEN

Den literati, den gebildeten Ordensmitgliedern, war das Schreiben und Kopieren von Büchern vorbehalten. Sie schufen in den Skriptorien, den Schreibstuben der Klöster, prächtige Handschriften und aufwändig gestaltete Bibeln. Durch das Sammeln und vervielfältigen von Schriften, auch aus der Antike, entstanden die berühmten Klosterbibliotheken. Besonders im Barock wurden aus den Studier- und Schreibzimmern repräsentative Orte des Wissens.

Luftaufnahme der Klosteranlage; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Unser Prämonstratenserkloster: Kloster Schussenried.

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