Pater Mohr ist mit selbstgebastelten Flügeln im Deckengemälde der Bibliothek von Kloster Schussenried dargestellt

Ein Universalgenie macht Flugversuche

Caspar Mohr

Als Musiker, Orgelbauer und Uhrmacher war Caspar Mohr ein Universalgenie. Doch vor allem seine Flugversuche machten ihn berühmt: Die einen empfanden sie als Gotteslästerung, die anderen trauten ihm einen mehrstündigen Flug zu.

Pater Mohr mit selbstgebastelten Flügeln im Deckengemälde der Bibliothek von Kloster Schussenried

Mit den Händen wollte Mohr die Flügel schwingen.

Die Flugversuche

Tatsache ist, dass ihm sein Abt verbot, mit dem Apparat aus dem dritten Stockwerk abzuspringen. Zeitgenossen erzählen jedoch, dass sich Caspar Mohr durchaus vom Boden aufgeschwungen habe. Einige berichten, er habe sich beim Flug aus dem Schlafsaal in den Garten den Fuß gebrochen. Ganz Fantasievolle wollen sogar gesehen haben, dass er „zwei Stunden weit bis auf eine zum Kloster gehörenden Pfarrey“ geflogen sei.

Hermann von Reichenau mit einem Globus im Deckengemälde des Bibliothekssaals von Kloster Schussenried

Füße in die Schlaufen, fertig, los!

Seine Flugmaschine

Seine fußbetriebene Flugmaschine sollte nur durch Körperbewegung funktionieren. Dazu schnallte er Flügel aus Gänsefedern auf den Rücken, die durch Schnüre mit seinen Füßen verbunden waren. Mit Schlaufen hielt er die Flügel an den Händen fest, sodass er damit schwingen konnte wie ein Vogel.

Kinder bestaunen das Flugmodell Pater Mohrs im Bibliothekssaal von Kloster Schussenried

Ob das fliegt? Kinder am Flugmodell Pater Mohrs.

Wer war Caspar Mohr tatsächlich?

Caspar Mohr (1575–1625) stammte aus der Nähe von Biberach. Er trat schon in jungen Jahren in das Kloster in Schussenried ein, das ihn zum Theologiestudium nach Rom schickte. Nach seiner Rückkehr versah er sein Amt als Ordenspriester, galt aber bald auch als Universalgenie. Er war Maler, Schreiner, Schlosser, Schmied und Gärtner und überzeugte außerdem als hervorragender Musiker, Organist, Orgelbauer und Uhrmacher.

Darstellung des Daedalus im Deckengemälde des Bibliothekssaal von Kloster Schussenried

Daedalus weist auf die Gefahren in großer Höhe.

Gotteslästerung kontra Erfindergeist

Mehr als 100 Jahre nach dem Tod von Caspar Mohr waren seine Ordensbrüder in Schussenried immer noch unschlüssig in ihrem Urteil. Im großen Deckengemälde der Bibliothek, entstanden 1755 bis 1757, erhielt Caspar Mohr sogar einen Platz. Vielleicht waren die Ordensbrüder stolz auf seinen Erfindergeist. Dennoch überwiegt die kritische Haltung des Klosters: Hinter Mohr ist Daedalus abgebildet, der seinen Sohn Ikarus vergeblich vor den Gefahren des Fliegens gewarnt hatte.

Versenden
Drucken