Besucher vor dem Neuen Konventgebäude von Kloster Schussenried

800 Jahre lebendige Geschichte

Wissenswert und amüsant

Schussenried ist für seinen Bibliothekssaal berühmt. Doch das Prämonstratenserkloster hat eine lebendige Geschichte vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Nach vielfältiger Nutzung ist das Kloster heute ein in Oberschwaben weithin bekanntes Kunst- und Kulturzentrum.

Detail des Deckenfreskos im Bibliothekssaal von Kloster Schussenried

Norbert von Xanten gründete einst den Orden.

Eine Stiftung an den neuen Orden

Die adligen Brüder Beringer und Konrad von Schussenried hatten keine Nachkommen und stifteten 1183 ihren Besitz dem Prämonstratenserorden. Beide Stifter traten dem neuen Konvent in Schussenried bei, ihr Familienschild wurde zum Klosterwappen. Der Prämonstratenserorden war von Norbert von Xanten 1120 in Prémontré, Nordfrankreich, gegründet worden. Seine Hauptaufgabe war die Seelsorge. Daher durften die Prämonstratenser – im Gegensatz zu anderen Mönchen – ihr Kloster tagsüber verlassen, um als Priester zu wirken.

Besucher im Bibliothekssaal von Kloster Schussenried

Der Bibliothekssaal ist ein Besucher-Highlight.

Der Klosterstaat

Ende des 15. Jahrhunderts verfügte Kloster Schussenried über ein größeres Klostergebiet und wurde unter die Reichsabteien aufgenommen. Damit unterstand es direkt dem Kaiser. Sein jeweiliger Abt hatte den Rang eines Fürsten, der auch über Leben und Tod richtete. Kloster Schussenried war nicht nur eine Gemeinschaft von Priestermönchen, sondern auch ein Staat – rein zahlenmäßig allerdings eher ein Zwergenstaat mit etwas mehr als 3200 Einwohnern, die sich auf die umliegenden Dörfer verteilten.

Bildnis Nikolaus Kloos, Ölgemälde von Gottfried Bernhard Götz um 1758, Standort Kloster Schussenried

Abt Nikolaus Kloos förderte Kunst und Wissenschaft.

Äbte aus dem Adel und der Bürgerschaft

Die Priestermönche kamen bis ins 15. Jahrhundert aus dem Niederadel und dem reichen Stadtadel in Oberschwaben. Seit dem 17. Jahrhundert konnten sogar die Söhne von Kaufleuten und Handwerkern Abt werden. Ab etwa 1450 war gute Bildung hoch angesehen: Die Novizen lernten im eigenen Kloster und in Nachbarklöstern, nicht wenige studierten. Die Zahl der Priestermönche lag zwischen 15 und 20, Mitte des 18. Jahrhunderts waren es bis zu 45. Die meisten wirkten in den Klosterpfarreien als Seelsorger.

Vielfältige Nutzung: Industrie, Psychiatrie, Kulturzentrum

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster Schussenried aufgehoben und enteignet, ab 1806 gehörte es zum Königreich Württemberg. 1840 wurde im Klosterareal ein Eisenhüttenwerk eröffnet, das neue Arbeitsplätze für die Bevölkerung schuf. 1875 zog im Kloster eine staatliche Einrichtung zur Versorgung psychisch Kranker ein. Mit vielen Neubauten im 19. und 20. Jahrhundert bestimmte sie das Umfeld des ehemaligen Klosters. Heute steht die Anlage mit ihren Kunstschätzen und Ausstellungen den Besuchern offen.

Gießer und Zuschauer in der Gießerei der Wilhelmshütte 1837/40, Ölgemälde

Die Wilhelmshütte erhielt ihren Namen auf Geheiß König Wilhelms von Württemberg, hier ein Bild der Gießerei von etwa 1840.

Im barocken Konventbau stehen seit der 2010 abgeschlossenen Renovierung Ausstellungsräume verteilt auf zwei Geschosse zur Verfügung. Jedes Jahr finden zwei bis drei Kunstausstellungen statt. Informieren Sie sich zur aktuellen Ausstellung hier auf der Homepage.

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