Besucher im Bibliothekssaal von Kloster Schussenried

Grandiose Raumschöpfung

Der Bibliothekssaal

Mit dem festlichen Saal für die Bücher schufen der Maler Franz Georg Hermann und der Bildhauer Fidelis Sporer ein Juwel des Rokoko: 1757 waren die Fresken und 1766 die Skulpturen vollendet. Doch die Ideen für die Themen der Bilder und Figuren entwickelte Abt Nikolaus Kloos.

Besucher im Bibliothekssaal von Kloster Schussenried

Allegorien verkörpern das irdische Wissen.

Geistiger Mittelpunkt

In der Barockzeit war die Bibliothek architektonischer Höhepunkt des Konvents und dessen geistiges Zentrum. Die göttliche Weisheit, verkörpert durch das Lamm mit dem Buch der sieben Siegel, ist in der Mitte des Deckenfreskos platziert. Das irdische Wissen, symbolisiert durch die Allegorien der Wissenschaften und Künste an der Galerie, ordnet sich dieser Weisheit unter. So hat jeder Benutzer vor Augen, dass sein erworbenes Wissen nicht Selbstzweck, sondern der Weg zur Gotteserkenntnis ist.

Die Botschaft im Deckenfresko

Das große Deckenfresko zeigt den Weg der Kirche durch die Jahrhunderte. In 14 Bildbereichen aus den Themen Weisheit und Wissenschaft bietet die Decke ein Panorama vom Alten Testament und der Antike bis ins 18. Jahrhundert. Die wichtigsten Themen von der Kreuzigung bis zum weltlichen Königtum ordnen sich auf der Mittelachse an, auf der Querachse erscheinen Beispiele für die göttliche und irdische Weisheit. Dazwischen erscheinen die Wissenschaften mit berühmten Vertretern.

Deckengemälde im Bibliothekssaal von Kloster Schussenried

Das Deckenfresko zeigt die Verehrung der göttlichen Weisheit, die der irdischen Weisheit übergeordnet ist.

Besucher betrachtet ausgestelltes historisches Buch in der Bibliothek von Kloster Schussenried

Spannende Einblicke in alte Bücher.

Vom Arbeitsraum zum Schauraum

Die Bibliothek als großer zweigeschossiger Raum mit Galerie, die von Säulen getragen wird, ist eine Erfindung der Barockzeit. Die spätmittelalterliche Studienbibliothek mit Lesepulten entwickelte sich zur repräsentativen Schaubibliothek mit einheitlichen Bücherschränken. In manchen Schränken gab es auch Bücherattrappen zur besseren einheitlichen Wirkung: Hinter den unteren Türen der Bücherschränke verbargen sich in Schussenried die ausklappbaren Lesepulte, sogar mit Stauraum für die Handbibliothek.

Bibliothekssaal von Kloster Schussenried

Auch für Musik geeignet.

Die Orgel im Bibliothekssaal

Seit 1844 diente die Bibliothek der kleinen evangelischen Gemeinde in Schussenried als Kirche. Auch die „Königliche Heil- und Pflegeanstalt“ nutzte den Saal als Betraum. Zu dieser Zeit gehörte die Orgel noch nicht zur Ausstattung der Bibliothek. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie eingebaut.

Suchen Sie nach der Signatur des Künstlers Franz Georg Hermann, dem Meister des Deckenfreskos. Seine Signatur hat der Maler auf einem gemalten Postament zwischen der Allegorie der Poesie und der Rechtsgelehrsamkeit gemalt.

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