Hölzernes Architekturmodell des Prämonstratenserklosters Schussenried von Dominikus Zimmermann um 1749

Wunsch und Wirklichkeit

Die barocken Klostermodelle von Schussenried

Welche Vision von der Klosteranlage hatten Abt und Konvent im 18. Jahrhundert? Mit der Aufhebung des Klosters ging sämtliches Planmaterial verloren und ein Teil des barocken Neubaus wurde abgebrochen. Die beiden Architekturmodelle sind daher heute eine wichtige Informationsquelle.

Kloster mit Wirtschaftsgebäuden, Modell von Jakob Emele um 1760

Das Klostermodell in Miniaturform aus Holz erbaut.

Eine Entscheidungshilfe für Bauherren

Architekturmodelle waren damals üblich: In ihrer Sitzung am 20. März 1748 beschlossen Abt und Konvent von Schussenried, dass der Architekt ein Modell auf der Grundlage seines Planes liefern sollte. Man versprach sich davon einen besseren Eindruck von der gesamten Anlage, von der Raumwirkung und der Raumverteilung – das war eine Entscheidungshilfe für Bauherren, für die der Architekt gesondert bezahlt wurde.

Detail des Modells von Dominikus Zimmermann, um 1749

Die Kirche sollte im Zentrum der Anlage stehen.

Vom grossen Meister gross geplant

Architekt Dominikus Zimmermann hatte für Schussenried eine anspruchsvolle Anlage entworfen: eine Vierflügelanlage, in zwei symmetrische Höfe geteilt und um die Kirche in der Mittelachse gruppiert. Seine Werkstatt fertigte das farbig gefasste Modell mit einer Fläche von 110 x 88 Zentimetern und einer Höhe der Kirchtürme von rund 57 Zentimetern. Die Besonderheit: Die Geschosse und Dächer sind abnehmbar, sodass sich im Innern sämtliche Wände, Türen, Treppen und Ofenanlagen zeigen.

Kloster mit Wirtschaftsgebäuden, Modell von Jakob Emele um 1760

Die geplanten Wirtschaftsgebäude von 1760.

Kurze Wege für die Bewirtschaftung

Abt und Konvent stimmten dem Neubau nach dem Modell Zimmermanns zu, vergaben den Auftrag jedoch an den Schussenrieder Baumeister Jakob Emele. Er fertigte um 1760 ein weiteres Modell für die Wirtschaftsgebäude: zwei Gebäudekomplexe, in denen er Bäckerei und Mühle, Brauerei und Werkstätten sowie Stallungen und Scheunen im Erdgeschoss konzentrierte. Unterkünfte für Knechte und Mägde lagen in den Obergeschossen. Nach dem Prinzip der kurzen Wege sollten die Wirtschaftsgebäude nahe am Hauptzugang stehen.

Anfang und Ende

Wenn dieses Stift einst dem schönen Plane nach, den man uns vorgezeigt, ausgeführt wird, so muss es eines der herrlichsten in Deutschland abgeben“, so der Stiftsbibliothekar von Kloster St. Gallen bei seinem Besuch in Schussenried. Doch Baumeister Emele konnte nur etwa ein Drittel ausführen, dann musste der Konvent die Bauarbeiten 1763 wegen Überschuldung einstellen. Eine schwierige Situation auch für die Handwerker, die für die Arbeiten am Bau bezahlt wurden und diese nicht etwa als kostenlosen Frondienst leisten mussten.

Im Museum Kloster Schussenried können Sie sich die beiden Modelle anschauen. In einer interaktiven Video-Animation erfahren Sie mehr über die wechselvolle Baugeschichte des Klosters.

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Persönlichkeit: Dominikus Zimmermann

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