Luftansicht von Kloster Schussenried

Ein Gesamtkunstwerk zwischen Romanik und Barock

Das Kloster

Das Prämonstratenserkloster Schussenried ist eine Hauptsehenswürdigkeit an der Oberschwäbischen Barockstraße. Besonderer Höhepunkt: der verspielte Bibliothekssaal mit seiner reichen Ausstattung – eine der bedeutendsten Raumschöpfungen des Barock in Süddeutschland.

Kloster Schussenried, Gemälde aus dem Jahr 1624, heute im Museum Kloster Schussenried

Das Kloster im Jahr 1624.

Der Beginn im Mittelalter

Als Reformbewegung im frühen 12. Jahrhundert war der Prämonstratenserorden gegründet worden. Die Klosterkirchen, die der neue Orden im 12. und 13. Jahrhundert baute, zeichneten sich durch einfache, klare Bauformen aus. In vielen Bereichen gelten die Prämonstratenser als Pioniere des technischen Fortschritts. Auch Schussenried, 1183 gestiftet, gehört in die Reihe dieser Neugründungen. Die Formen und das Mauerwerk der spätromanischen Klosterkirche St. Magnus sind unter der barocken Verkleidung heute noch zu finden.

Besucher betrachten das Chorgestühl von Kloster Schussenried

Das Chorgestühl als Blickfang.

Prämonstratenser unter sich

Zwischen den Prämonstratenserklöstern in Oberschwaben herrschte im 17. und 18. Jahrhundert ein reger Austausch. So vermittelten sie sich gegenseitig interessante Künstler und solide Handwerker: Der Vorarlberger Baumeister Christian Thumb, für das Prämonstratenserkloster Obermarchtal tätig, lieferte Pläne für einen Neubau der Klosterkirche in Schussenried. Bildhauer Georg Anton Machein, der ebenfalls in Obermarchtal arbeitete, wurde nach Schussenried empfohlen und erhielt dort den Auftrag für das Chorgestühl.

Ideen für das eigene Bauprojekt

Schon um 1700 gab es in Schussenried Planungen für neue Klostergebäude. Doch erst Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Neubau beauftragt. Zahlreiche Klöster in Oberschwaben waren mittlerweile gebaut oder gerade im Bau, an Vorbildern wie zum Beispiel in Salem, Einsiedeln oder Weingarten, Ochsenhausen oder Wiblingen mangelte es nicht. Typisch für die Planung und die Ideenfindung: Die oberschwäbischen Äbte besuchten einander regelmäßig und stellten befreundeten Klöstern eigene Pläne und Entwürfe zur Verfügung.

Links der neue Konventbau, rechts die Kirche mit anschließendem Alten Konventbau von Kloster Schussenried

Alt und Neu nebeneinander.

Altes Kloster oder neues Kloster?

Zum Alten Kloster gehören die Kirche, der West- und der Südflügel sowie das Untere Tor mit Anbauten, andere Bestandteile sind nicht erhalten. Vom „Neuen Kloster“ ist vor allem der barocke Konventbau mit Bibliothekssaal zu sehen. Der größte Teil des Neuen Klosters jedoch existiert nur in der Planung, da die Bauarbeiten aus Geldmangel eingestellt werden mussten. Für die erstarkten Klöster in Oberschwaben demonstrierte ein repräsentativer Baukomplex ihre Macht und politische Bedeutung.

Idealansicht der von Jakob Emele geplanten Anlage, Gemälde 18. Jahrhundert , heute im Museum Kloster Schussenried

Geplant war eine symmetrische Klosteranlage mit mehreren Innenhöfen.

Das Museum Kloster Schussenried bietet Ihnen viele Infos rund um die Planungs- und Baugeschichte im 18. Jahrhundert. Besonders interessant: die interaktive Video-Animation zur wechselvollen Baugeschichte.

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