Prämonstratenser
Der Orden der Prämonstratenser ist nach dem von Norbert von Xanten 1120 gegründeten Kloster Prémontré in der Nähe von Laon benannt. Der aus einer Reformbewegung heraus entstandene katholische Orden richtet sich nach den Regeln des heiligen Augustinus und propagierte ein asketisches priesterliches Leben in Armut und ein Wanderpredigertum nach Vorbild der Apostel. Die Ordensbrüder widmeten sich vorrangig der Seelsorge und der Bildung.
Aus dem wollenen, ungebleichten Büßergewand des heiligen Norbert hat sich das weiße Gewand des Ordens entwickelt. Man bezeichnet ihn daher auch als „Weißen Orden“. Im Gegensatz zu den Bettelorden erwarben die Prämonstratenser Grundbesitz und übten Herrschaft aus. Der in der Seelsorge aktive Orden konnte sich erst 1921 wieder in Deutschland ansiedeln. Als er unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg vielen zu Essen und einer Unterkunft verhalf, hat er seine Wirkung enorm entfaltet. Heute zählt er weltweit etwa 1.400 Mitglieder.
Abt Augustinus Arzet (1656-1666)
Einer der bedeutendsten Äbte des Klosters war Abt Augustinus Arzet, der den barocken Umbau einleitete. Seine Studienjahre verbrachte er in Rom, Paris und Siena. In Rom arbeitete er einige Jahre als Seelsorger der Schweizer Garde.
Arzet ließ den Südflügel der Klausur mit Refektorium nach den Plänen von Michael Beer wieder aufbauen. Die von ihm aus Italien mitgebrachten Gebeine des hl. Vincentius legte man im Seitenflügel der Kirche nieder. 1663 wurde Augustinus Arzet zum Generalvikar seines Ordens bestellt.
Wilhelm Hanser, Klosterkomponist (1738-1796)
Johann Nepomuk Joseph Hanser, 1738 bei Leutkirch geboren, legte 1758 in Bad Schussenried das Ordensgelübde ab und erhielt den Namen Wilhelm. Als Musikdirektor des Klosters komponierte er sein Opus 1 mit 24 Vesperpsalmen für Chor und Orchester, mit dem er im süddeutschen Raum einen großen Bekanntheitsgrad erreichte. Als vom Mutterkloster Prémontré entdeckter „Star“ nutzte er in Frankreich, beim Aufbau einer Klostermusikschule, die Gunst der Stunde und lebte äußerst exklusiv und teuer. Zu seinen Schülern gehörte Nicolas Méhul, der um 1800 zu den führenden Opernkomponisten von Paris zählte. Die französische Fachliteratur bezeichnet Wilhelm Hanser als besten Organisten des Schwäbischen Kreises und talentierten Lehrer, der für sein leidenschaftliches Orgelspiel und seine edlen Melodien bekannt war. Der Ordensbruder kehrte später nach Schussenried zurück und komponierte dort weitere, heute größtenteils verschollene Werke.
Gustav Mesmer, „Ikarus vom Lautertal“ (1903-1994)
Der Flugradbauer Gustav Mesmer ist sicher der berühmteste Patient der Psychiatrie Schussenried. Man hielt ihn dort von 1929 bis 1949 fest. Nachdem er einen Gottesdienst mit einer spontanen Predigt, die er angeblich mit Schmährufen auf das Blut Christi spickte, gestört hatte, schickte ein Arzt ihn nach Schussenried. Dort diagnostizierte man Schizophrenie. Mesmer selber nannte den Vorfall später „einen religiösen Unfall“. Der Erfinder, Zeichner, Schreiner, Korbflechter und Bastler träumte sich über die Anstaltsmauern hinweg. Seine Ideen zu Flugmaschinen brachte er mit poetischen Zeichnungen und Konstruktionshinweisen zu Papier. „Erfinderwahn“ attestierten ihm die Ärzte. Später, im Landheim Buttenhausen, probierte er seine selbst gebauten Fluggeräten an den umliegenden Hängen aus. Sein Traum blieb ein Fluggerät, das nur durch Muskelkraft betrieben wird. Zwei Jahre vor seinem Tod wurde ein Flugfahrrad Gustav Mesmers auf der Weltausstellung in Sevilla zum Thema „Der Traum vom Fliegen“ ausgestellt.